Fernkurse für Gehörgeschädigte

Trotz gesetzlicher Regelungen, die Belange behinderter und chronisch kranker Studierender zu berücksichtigen, sind doch einige Schwierigkeiten während des Studiums an einer Präsenzhochschule vorhanden (siehe die Ausführungen des Deutschen Studentenwerks sowie der TU Wien).

Ein sehr großer Anteil des Lehrstoffes wird mündlich vermittelt. Zwar gibt es für einige Hörgeschädigten die Möglichkeit des Lippenlesens, doch leider kann sie nicht wirklich genutzt werden. Während des Vortrages dreht sich die Lehrkraft häufiger auch zu anderen Studenten um und schon kann man nicht mehr von den Lippen lesen. Wer nur mit Hilfe der Gebärdensprache kommuniziert, muss bei Vorträgen, Klausuren und Prüfungen immer einen Gebärdensprachendolmetscher an seiner Seite haben.

Daher stellt sich die Frage, ob ein Fernstudium für Studienwillige mit Hörschäden nicht sinnvoller ist, als ein Studium an einer Präsenzuniversität. Bei einem Fernstudium erfolgt die Vermittlung der Lehrinhalte überwiegend in schriftlicher Form. Der Gedankenaustausch mit anderen Kommilitonen erfolgt hier auch schriftlich über Briefe, E-Mails und Chatforen. Dadurch entfallen viele Kommunikationsprobleme, die stark Hörgeschädigte ein Studium an einer Präsenzuniversität sehr erschweren würden.

Einige Materialien des Fernstudiums, die audiovisueller Natur sind, können leider nicht im vollen Umfang von Hörgeschädigten genutzt werden, da eine Untertitelung meistens fehlt. Man muss allerdings auch betonen, dass diese Materialien eine eher unterstützende Funktion haben. Der Großteil der Aufgaben wird schriftlich erledigt. Außerdem bemühen sich viele Fernschulanbieter bei Klausuren und Prüfungen einen gewissen Nachteil durch besondere Maßnahmen auszugleichen. Welche Maßnahmen das sind, ist von Fall zu Fall verschieden. Voraussetzung für die Bewilligung solcher Maßnahmen ist eine rechtzeitige Mitteilung der behindertengerechten Bedürfnisse und diese, falls gefordert, durch ärztliche Bescheinigungen bestätigen zu lassen.

Letztendlich kann man die Frage, ob ein Studium an einer Fernschule für Studierwillige mit Hörschäden sinnvoller ist als ein Studium an einer Präsenzuniversität nicht pauschal beantworten und muss in jedem Einzelfall neu entschieden werden.

Gehörlosigkeit und Identität - Vordiplomarbeit, vorgelegt im Fachbereich Sozialwesen Fachhochschule Fulda, Wintersemester 2002/2003